Auf gute Partnerschaft

In Ausnahmesituationen zeigt sich die Qualität

Fredi Oberegelsbacher, Head of Distribution Center Austria beim österreichischen Unternehmen Tyrolit über Präzision, Partnerschaft und globale Lieferketten.

Daniel Swarovski, der Gründer der Swarovski-Kristallmanufaktur, legte 1919 mit einer wegweisenden Idee den Grundstein für den späteren Erfolg von Tyrolit. Worin bestand diese Idee?

Daniel Swarovski erkannte früh, dass präzises Schleifen der Schlüssel für Qualität und Effizienz ist – nicht nur bei Kristallen, sondern in zahlreichen industriellen Anwendungen. 1919 gründete er Tyrolit, um Schleifwerkzeuge zu entwickeln, die mithilfe modernster Technik höchste Präzision ermöglichen. Der Erfolg dieser Idee beruht darauf, dass sie zwei Welten verbindet: das handwerkliche Wissen aus der Kristallproduktion und das industrielle Bedürfnis nach zuverlässigen, leistungsfähigen Werkzeugen. In die Entwicklung unserer Schleifscheiben haben wir über Jahrzehnte hinweg umfassende Erfahrung aus Materialwissenschaft und Produktion eingebracht und das scheinbar einfache Prinzip des Materialabtrags durch Reibung kontinuierlich perfektioniert. Denn Qualität und Präzision entstehen nur im exakten Zusammenspiel von Körnung, Bindung und Fertigungsprozess. Auf dieser Basis entwickeln wir durch kontinuierliche Forschung und enge Kundennähe Schleiflösungen, die sich präzise an die Anforderungen moderner Industrie- und Handwerksbetriebe anpassen.

Das Prinzip der Schleifscheibe mag einfach sein. Worin liegt die Komplexität des Produkts?

In unserem Feld ist es das A und O, Lösungen für sehr unterschiedliche Anforderungen zu entwickeln – von maßgeschneiderten Spezialanfertigungen bis hin zu standardisierten Produkten, die am nächsten Tag auf der Baustelle einsatzbereit sind. Damit beides funktioniert, braucht es perfekte Abläufe zwischen Forschung, Entwicklung, Produktion, Logistik und Kundenbetreuung. Die Komplexität liegt sowohl im sichtbaren Produkt als auch in den Prozessen dahinter. Allein unsere Schleif- und Trennscheiben gibt es in unterschiedlichsten Größen – von kleinen handgeführten Durchmessern bis hin zu zwei Metern Durchmesser für die Stahlindustrie. Jedes Schleifwerkzeug ist ein fein abgestimmtes System aus Materialien, Bindungen und Fertigungsschritten.

Die Tyrolit Group

Tyrolit ist einer der weltweit führenden Hersteller von Schleif- und Abrichtwerkzeugen sowie Systemanbieter für die Bauindustrie. Mit Wurzeln im Herzen der österreichischen Alpen verbindet Tyrolit die Stärken familiärer Werte mit einer globalen Vision und über einem Jahrhundert individueller Unternehmens- und Technologieerfahrung.

Die Produktpalette von Tyrolit umfasst heute über 80.000 Schleif- und Abrichtwerkzeuge. Welche Entwicklungsphasen durchläuft ein Produkt, bis man sagen kann: Das funktioniert?

Von der ersten Idee bis zum marktreifen Produkt durchläuft jedes Schleifwerkzeug mehrere Entwicklungsphasen. Am Anfang steht meist eine konkrete Anforderung – oft direkt aus der Praxis unserer Kunden. Danach folgen Materialforschung, Konstruktion und intensive Testläufe in unserem Test-Center. Erst wenn ein Produkt sowohl technisch überzeugt als auch die Belastungsproben im realen Einsatz besteht, geht es in Serie.

Tyrolit-Produkte sind weltweit verfügbar. Was muss entlang der Lieferkette funktionieren, damit am Ende das richtige Werkzeug dort ist, wo es gebraucht wird?

Die weltweite Verfügbarkeit von Tyrolit-Produkten erfordert gut aufgestellte und durchgängig funktionierende Lieferketten. Zentrale Erfolgsfaktoren sind klar strukturierte Lager- und Distributionskonzepte, eine intelligente Lagerplatzstrategie sowie die enge Zusammenarbeit mit leistungsfähigen Logistikpartnern. Nur so lassen sich stabile Laufzeiten, planbare Anlieferungen, hohe Prozesssicherheit und eine wirtschaftlich und qualitativ nachhaltige Distribution in allen Märkten gewährleisten. Logistik entscheidet insbesondere dort über Erfolg oder Misserfolg, wo Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Qualität zusammenwirken. Eine schnelle Kommissionierung, reibungslose Abläufe vom Wareneingang bis zum Versand und eine konsequente Qualitätssicherung entlang der Lieferkette sind dabei essenziell. Dazu zählen eine fachgerechte Verpackung, schadensfreies Handling, geeignete Lagerbedingungen, eine korrekte Kennzeichnung, vollständige Rückverfolgbarkeit sowie eine reibungslose Zollabwicklung.

Schleifsteine

Bereits in der Antike kannte man die Verwendung von Schleifsteinen aus Sand, Bimsstein oder Schmirgel. Heutige Schleifscheiben werden für die unterschiedlichsten Anwendungen gefertigt, das Prinzip ist stets dasselbe: Eine rotierende Scheibe aus Schleifkörnern, Bindemittel und Poren wird zum Schleifen, Schärfen oder Polieren von Materialien wie Metall, Holz oder Stein verwendet. Die Schleifkörner können unter anderem aus Kristallen gefertigt sein und tragen das Material ab. Die Bindung hält die Körner zusammen, die Poren geben Kühlmitteln Raum und sorgen für den Abtransport der Späne.

Was ist aus Ihrer Sicht entscheidend für eine gute Zusammenarbeit mit Kunden und Dienstleistern wie Gebrüder Weiss?

Eine gute und nachhaltige Zusammenarbeit basiert auf klar definierten Rollen, Verantwortlichkeiten und transparenten, nachvollziehbaren Prozessen. Ebenso wichtig sind gemeinsam vereinbarte, realistische Zielsetzungen, die für alle Beteiligten Orientierung und Verbindlichkeit schaffen. Entscheidend ist dabei eine echte Partnerschaft auf Augenhöhe. Gerade wenn Abläufe komplex werden oder nicht reibungslos funktionieren, braucht es offene, ehrliche und lösungsorientierte Kommunikation. Gegenseitige Schuldzuweisungen helfen in solchen Situationen nicht weiter. Stattdessen müssen Abweichungen frühzeitig angesprochen, gemeinsam analysiert und konstruktiv gelöst werden. In Ausnahmesituationen zeigt sich die Qualität einer Partnerschaft: Es kommt auf Verlässlichkeit, die Einhaltung von Zusagen und Professionalität an. Klare Eskalationsmechanismen und kurze Entscheidungswege stellen sicher, dass Probleme rasch adressiert und Auswirkungen für den Kunden minimiert werden. Erfolgreiche Zusammenarbeit bedeutet zudem, Komplexität aktiv zu managen. Das setzt die Bereitschaft voraus, aus Abweichungen zu lernen, Prozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln und sich gemeinsam an veränderte Anforderungen anzupassen.

Wie gehen Sie persönlich mit Störungen, Fehlern oder Reibung um?

Störungen und Fehlern begegne ich bewusst ruhig und strukturiert. Statt Schnellschüssen steht zunächst eine fundierte Analyse im Fokus, um Ursachen klar zu identifizieren und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Oft hilft es dabei, eine Nacht darüber zu schlafen – mit zeitlichem Abstand ergeben sich neue Perspektiven. Offene Kommunikation und gegenseitiger Respekt sind mir besonders wichtig, denn Reibung entsteht häufig durch Missverständnisse oder mangelnde Transparenz. Fehler müssen transparent gemacht und aufgearbeitet werden, um daraus zu lernen, Prozesse zu optimieren und Wiederholungen zu vermeiden. Gegenseitige Schuldzuweisungen führen nicht weiter. Entscheidend ist, Verantwortung zu übernehmen und konsequent an Verbesserungen zu arbeiten.

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