Hidden Champions
Flaschenöffner
Einen Flaschenöffner schätzt man besonders dann, wenn man keinen hat. Denn der simple Akt des Flaschenöffnens mit einem dafür gemachten Werkzeug ist eine überaus befriedigende Handbewegung, die immer klappt. Dabei macht sich der Flaschenöffner das Hebelprinzip zunutze: Ein kurzer Kraftimpuls am Griff wirkt über einen längeren Hebelarm, wird so vervielfacht und auf den Auflagepunkt am Flaschenrand übertragen – und zack, gibt das Metall des Kronkorkens nach. Der Flaschenöffner zeigt maximale Wirkung bei minimalem Einsatz und steht für ein physikalisches Grundprinzip, das schon in der Antike bekannt war.
Der Kronkorken selbst ist aber noch gar nicht so alt. Erfunden wurde er Ende des 19. Jahrhunderts in den USA, als man damit anfing, Getränke industriell abzufüllen. In den USA, wo Kronkorken weit verbreitet sind, aber auch in Deutschland und in Österreich findet sich heute ein Flaschenöffner in so gut wie jedem Haushalt. In weiten Teilen Asiens oder in Südamerika sind dagegen Schraubverschlüsse populärer und ein Flaschenöffner kann schon einmal fehlen. Aber halb so wild! Wer keinen Flaschenöffner hat, der kann improvisieren, weil das Hebelprinzip natürlich auch ohne spezielles Werkzeug funktioniert: mit einem Feuerzeug, einer Tischkante oder, wenig empfehlenswert, angeblich auch mit den Zähnen.
Die Welt ist voller Dinge, die zuverlässig tun, was sie sollen. Sie regeln den Verkehr, machen den Paketversand einfach oder sorgen dafür, dass Abläufe planbar sind und nicht ins Stocken geraten. Wir verlassen uns auf sie – und denken nicht weiter über sie nach. Stattdessen gilt unsere Aufmerksamkeit meist dem, was alles nicht so gut funktioniert.
Schade eigentlich. Denn schaut man genauer hin, lässt sich an den einfachen Dingen viel entdecken. Ob Kreisverkehr, Barcode, Checkliste oder Atemübung: Hier wirken Prinzipien, die dem Menschen und seinen Bedürfnissen entgegenkommen. Und wer versteht, warum etwas funktioniert, schärft seinen Blick dafür, wie sich der eigene Alltag leichter oder entspannter gestalten lässt.
In ATLAS #25 laden wir Sie daher zu einem Perspektivwechsel ein und richten den Fokus auf kleine Systeme, die wirklich Großes leisten.
