Hidden Champions

Ausmisten

Kennen Sie das, wenn eine Schublade nicht mehr schließt, weil sie einfach ein bisschen zu voll ist? Haben Sie auch so ein Kellerregal, das Sie lieber nicht mehr anrühren, weil sich darin nützliche und unnütze Dinge ungut vermischen? Sie wären in guter Gesellschaft. Bei den meisten Menschen sammeln sich Dinge an und werden
irgendwann zu Ballast. Die gute Nachricht ist: Wer ausmistet, sortiert nicht nur den eigenen Besitz, sondern auch die eigenen Gedanken und befreit auf diese Weise den Geist. Denn Unordnung bindet Aufmerksamkeit, weil sie ständig an Unerledigtes erinnert. Jede vollgestopfte Schublade und jeder überquellende Schrank ist wie eine To-do-Liste, die immer noch nicht bearbeitet ist. Deshalb tut Ausmisten so gut. Studien zeigen, dass aufgeräumte Umgebungen nicht nur Stress reduzieren, sondern auch das Gefühl von Kontrolle stärken. So haben wir wieder eine gute Übersicht. Man sieht, was man hat, und man findet schneller, was man sucht.

Wenn Sie nun den Impuls verspüren, endlich mit dem Ausmisten anzufangen, dann nehmen Sie sich besser nicht allzu viel vor. Expertinnen und Experten raten zu kleinen Einheiten in fest definierten Zeiträumen. In der ersten Woche die Sockenschublade, in der zweiten der Badezimmerschrank. Später das volle Bücherregal und irgendwann der Keller. Überall ist eine einfache Frage hilfreich: Brauche ich das wirklich – oder bewahre ich es nur auf, weil ich es einmal gebraucht habe? Stellen Sie sich einen Timer, bis wann sie dranbleiben wollen, und machen Sie sich bewusst, dass Erinnerungen nicht an Gegenständen haften, sondern ohnehin ein Teil von Ihnen sind. Ziel sind keine leeren Regale oder Instagram-taugliche Schubladen, sondern ein Zuhause, in dem Sie sich gut zurechtfinden und das Sie nicht belastet. Und das ist ein tolles Gefühl, für das sich jede Mühe lohnt.

Die Welt ist voller Dinge, die zuverlässig tun, was sie sollen. Sie regeln den Verkehr, machen den Paketversand einfach oder sorgen dafür, dass Abläufe planbar sind und nicht ins Stocken geraten. Wir verlassen uns auf sie – und denken nicht weiter über sie nach. Stattdessen gilt unsere Aufmerksamkeit meist dem, was alles nicht so gut funktioniert.

Schade eigentlich. Denn schaut man genauer hin, lässt sich an den einfachen Dingen viel entdecken. Ob Kreisverkehr, Barcode, Checkliste oder Atemübung: Hier wirken Prinzipien, die dem Menschen und seinen Bedürfnissen entgegenkommen. Und wer versteht, warum etwas funktioniert, schärft seinen Blick dafür, wie sich der eigene Alltag leichter oder entspannter gestalten lässt.

In ATLAS #25 laden wir Sie daher zu einem Perspektivwechsel ein und richten den Fokus auf kleine Systeme, die wirklich Großes leisten.

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